ich hasse diese Gesellschaft

Schauen wir uns mal einen ganz normalen Tag eines siebzehn jährigen Mädchens aus dem 21. Jahrhundert an. Um 6:00 Uhr am Morgen klingelt ihr Wecker. Sie steht auf und der erste Gang geht ins Badezimmer. Sie steht vor dem Spiegel und würde sich am liebsten wieder umdrehen und unter ihrer Bettdecke verstecken. Wie jeden Morgen kann sie nichts in ihrem Spiegelbild finden was sie glücklich macht. Doch sie weiß, dass sie wohl oder übel um 7:00 Uhr an der Bushaltestelle stehen muss. Also quält sie sich dazu ihr noch verschlafenes Gesicht zu waschen, sich einzucremen, Make-up aufzulegen, Mascara auf den Wimpern zu verteilen und ihre Haare mit einer Rundbürste in die richtige Richtung zu föhnen. Sie betrachtet sich erneut im Spiegel. Möglicherweise gefällt ihr was sie sieht und geht mit einem Lächeln aus dem Badezimmer zur nächsten Station. Kleiderschrank. Jeans, Shirt und Sneakers, fertig. Doch dann kommt wieder ihr bester Freund und gleichzeitig schlimmster Feind ins Spiel. Mit dem Schließen der Schranktür kommt der Spiegel wieder zum Vorschein. Mit dem kurzen Aufprall beim entgültigen Schließen der Schranktüren kommt auch das Gefühl wieder hoch sich in der Ecke verkriechen zu wollen. Der Bauch ist zu groß, der Po zu dick, die Oberschenkel zu breit und die Brüste zu klein. Wie gesagt, ein normaler Tag.  6:50 Uhr. Sie geht aus dem Haus. Nach kurzem warten befindet sie sich im Bus. Circa 70 Schüler und Schülerinnen beginnen im Bus um sich zu gucken. Manche Blicke treffen sich und manche bemerkt man nicht einmal. Doch eins haben sie alle gemein. Sie sind auf der Suche nach einer der Personen, die sie am liebsten sein würden und im nächsten Moment hoffen sie jemanden zu finden der einen Fehler hat, der sie dazu bringt sich besser zu fühlen. Das Mädchen sitzt schweigend auf ihrem Platz. Die Musik in ihrem Ohr ist so laut gedreht, dass sie sich von der Welt abkapselt und sie in ihre eigene, kleine Welt verschwinden lässt. Es klingelt. Der Unterricht beginnt. Bis um 13:00 Uhr wird viel diskutiert, analysiert, getratscht und gelacht. Die Pausen sind erholsam lustig und doch bemerkt sie im Hintergrund die Blicke der 3000 Mitschüler, die sie, ihre Klassenkameraden oder auch den Jungen am anderen Ende der Aula, den sie heute zum ersten mal bemerkt von oben bis unten anschauen. Nach Unterrichtsende geht sie nach Hause und isst zu Mittag. Anschließend setzt sie sich vor ihren Fernseher und hört wie ihre innere Stimme auf sie einredet, dass sie sich schlecht fühlen sollte, da sie eine zweite Portion gegessen hatte. Sie zappt durch die Sender. Sie sieht size zero Mädchen in den Werbespots, durchtrainierte, stilvolle,hübsche Frauen in Musikvideos und ein Kanal weiter läuft "America's next Topmodel" wo gerade ein Mädchen den Wettbewerb verlassen muss weil sie einen Hamburger gegessen hat obwohl sie 7 Kilo abnehmen sollte um zu den anderen Skeletten, oder auch schönsten Frauen der Welt genannt, zu passen. 22:00 Uhr. Nachdem sie den Ferseher ausgeschaltet hatte, für ihre Klasur gelernt war und sie sich dazu entschlossen hatte nach den interessanten ICQ Gesprächen mit ihren Freunden ins Bett zu gehen steht sie erneut vor dem Spiegel. Sie sieht ein gesundes, liebenswertes Mädchen mit strahlenden Augen und einem netten Lächeln und gleichzeitig sieht sie ein zu breites, nicht perfektes Mädchen bei der es sie nicht wundert, dass sie keinen festen Freund hat oder Dates. Ein Mädchen, dass es nicht Wert ist geliebt zu werden weil sie bei einer Größe von 1,70 nicht unter 55 Kilogramm wiegt. Mit diesem Gefühl von Einsamkeit und Scham geht sie ins Bett und sagt sich >> Ich werde etwas ändern. Ab morgen ändert sich alles. Ab morgen will ich anfangen zu denen zu gehören, die schlank und damit schön sind,- zu denen die die Welt verändern können.<<  -  6:00 Uhr morgens klingeln ihre Wecker. Millionen von Teenagern stehen auf, sehen sich im Spiegel und würden am liebsten wieder ihre Bettdecken über ihre Köpfe ziehen....

Muss es wirklich so sein? Muss die Welt sich in diese Richtung bewegen? Denn ich habe es satt. Ich habe keine Lust mehr für die Augen der anderen zu leben. Was ist bloß mit uns passiert? Wir sind die intelligentesten Wesen dieser Welt. In keiner Zeit zuvor hatte ein Mensch so viele Möglichkeiten sich als ein Unikat  auszudrücken und zu verwirklichen  und doch schaffen wir es nicht uns eine eigene Meinung über Schönheit zu bilden. Wir sind manipulierbare Geschöpfe, die das leben, was in den Medien gezeigt wird. Mädchen und mittlerweile auch junge Männer kämpfen täglich einen inneren Kampf um nur ansatzweise dem zu entsprechen, was ihnen täglich und egal zu welcher Zeit als begehrenswert vorgesetzt wird. Sind wir wirklich so? Egal wo du hinsiehst, siehst du Menschen, die davon besessen sind die Besten zu sein. Aber sie wollen nicht mit Leistung beeindrucken sondern mit ihrer DNA und ihrem kranken Kampf gegen ein bisschen Fett an den "falschen" Stellen. Das Bedauernswerte ist nur, dass es funktioniert. Und von dieser Art zu Leben habe ich genug. Gott sei Dank bin ich nicht alleine dieser Meinung.Ich möchte nicht sagen, dass das Äußere keine Rolle spielen sollte. Aber in dieser Gesellschaft, in der wir uns befinden wird auf die falschen Äußerlichkeiten zuviel Wert gelegt. Aber es wird eine Ewigkeit dauern, bis auch die letzten begreifen, dass Oberarme, die nur noch aus Haut und Knochen bestehen und ein Bauch, der im Profil die Breite eines neunhundertseitigen Buches hat nichts mit Schönheit zutun hat.  Viele, die diesen Eintrag lesen werden denken sich wahrscheinlich, dass ich spinne und dass es nicht so krass ist wie iche s beschreibe.  Aber wenn diese Leute sich vor ihre Spiegel stellen werden sie schnell merken, dass sie dem Teenagermädchen zwischen den anderen Millionen garnicht so unähnlich sind wie sie im ersten Moment meinen.

 

24.1.09 01:11
 


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